Über die Trenderscheinung Veganismus und den „healthy lifestyle“

Sogar den großen Fleischproduzenten ist inzwischen aufgefallen, dass die vegane Ernährung immer mehr Anhänger und Zuwachs findet. Immer mehr Produkte werden auf den Markt gebracht, immer mehr sehen das Potential in dieser Erscheinung und wollen ein kleines Stück vom Kuchen abhaben. Für mich, als Veganerin, ist dies eine sehr schöne Entwicklung. Wir alle kennen die farbenfrohen Instagram Fotos, auf denen verschiedene Personen ihr gesundes und gemüsereiches Mittagessen in die Kamera halten. Ich schaue mir diese Bilder sehr gerne an und bekomme beim Anblick von einem gemischten Salat häufig selbst Appetit auf etwas Grünzeug. Allerdings sehen das nicht alle so. „Heute so gesund.“ Eine Aussage, die aus den Mündern bestimmter Personen einen negativen Unterton mit sich bringt. Den Gedanken dahinter habe ich noch nicht so ganz verstanden. Was ist schlecht daran, wenn immer mehr Personen Interesse an ihrer Gesundheit, dem Wohlergehen der Tiere und des Planeten haben und es durch ihre Ernährungsweise zum Ausdruck bringen?
„Du bist jetzt also auch Vegan.“ Und auf diese Worte folgt ein kritischer Seitenblick. Fast scheint es, als wäre allein die Existenz einer sich vegan ernährenden Person eine Provokation für alle Nicht-Veganer. Ich frage mich ernsthaft, woher diese Negativität kommt. Wie kann eine Entwicklung, die einen Wandel zum besseren darstellt, etwas Negatives sein? Als sprächen wir hier von einem Trend der Modebranche. Ein Trend, der unzählige dazu veranlasst ihren Kleiderschrank beinahe monatlich zu erneuern, nur um die Teile kurz nachdem sie „out“ geworden sind, auszumisten. Ein Trend, der Menschen zu Wölfen, die seiner Fährte blind und gnadenlos hinterherjagen und dabei die Konsequenzen ihres Konsums vollkommen verdrängen, macht. Es spielt keine Rolle, warum Menschen einem Trend folgen. Die Tatsache, dass sie es tun, lässt die Herzen der Unternehmer, die in jene Produkte investieren, höherschlagen. Auf dem Papier zählen nur die Zahlen, die eine eindeutige Sprache sprechen.
Jeder Mensch möchte irgendwo dazugehören. Wir möchten zu einer Familie dazugehören, zu einem Freundeskreis und einer Arbeitsgemeinschaft. Und nun wollen viele auch zu der Gruppe der Veganer dazugehören. Warum sollte es für uns eine Rolle spielen, weshalb Menschen sich dazu entscheiden? Für viele ist der Schritt hin zur veganen Ernährungsweise ohnehin eine gute und wohlbedachte Entscheidung. Doch selbst wenn man nur zu den angesagten „healthy lifestyle“ Bloggern dazugehören möchte. Spätestens, wenn man sich Gedanken über sein nächstes Instagram Foto macht, schweifen die Gedanken in eine tiefergehende Richtung und man setzt sich automatisch mit dem Thema Ernährung auseinander. Ich empfinde es als einen positiven Effekt, wenn Bilder o.ä. Menschen dazu inspirieren können ihre Lebensweise zu wandeln.
Womöglich sehen sich die überzeugten Fleischkonsumenten, von denen es nach wie vor eine ganze Menge gibt, in ihrer Existenz bedroht, doch auch diesen Gedanken kann ich nicht verstehen. Als wäre die Ernährung ein Kampf, den wir untereinander austragen, eine Unterteilung in ein „gutes“ und ein „böses“ Lager, „wir“ gegen „die“. Wir sind 7 Milliarden Menschen auf dieser Welt, Anzahl steigend. Wir haben alle eine andere Erziehung genossen, einen anderen Blick auf die Welt, eigene Gedanken und Wertevorstellungen. Ich denke nicht, dass wir im Bezug auf die Ernährung jemals eine Einheit finden werden und im Grunde möchte ich das auch gar nicht. Ich empfinde die vegane Ernährungsweise für mich als die beste, doch im komme nicht auf die Idee sie allen vorschreiben zu wollen. Jeder sollte für sich herausfinden dürfen, was ihm guttut und was nicht. Die Vorstellung, dass alle Menschen eines Tages vegan wären, ist eine Utopie. Doch die Gesundheit ist ein ganz anderes Thema. Jeder Mensch sollte sich im Klaren darüber sein, wie weit er seine eigene Gesundheit selbst zum positiven beeinflussen kann. Und ist dies nicht ein positiver Effekt?

Advertisements

3 Gedanken zu “Über die Trenderscheinung Veganismus und den „healthy lifestyle“

  1. sie essen und sehen ein stück lebensqualität, eine leckere wohltat auf dem teller. in ihrem kopf verwandelt sich ein stück totes tier in ein stück fleisch, das nicht mehr einem lebewesen ähnelt. für sie ist tiere essen völlig normal, das hat man schliesslich immer so gemacht, es ist gesund und nahrhaft. immer mehr beruhigen ihr gewissen mit bio-fleisch.

    ist ein veganer anwesend funktioniert das verdrängen nicht mehr und fleischesser fangen an, sich zu rechtfertigen. viele sind ignorant oder aggressiv, andere reagieren mit wut, abwertung, spott oder hass. nicht auf sich selbst, sondern auf die veganer, weil veganer zerstörung und tod sehen. veganer haben eine moral, die über das private hinausreicht, ihnen geht es um die grossen zusammenhänge in der welt, um umweltzerstörung, klimawandel, massentierhaltung und auch gesundheit.

    die agression der fleischesser rührt daher, dass der veganer sich moralisch über den fleischesser stellt. fleischesser wollen mit gutem gewissen ihr positives selbstbild schützen. veganer möchten, dass fleischesser sich schuldig fühlen, weil ihnen die welt, das klima und die tiere scheissegal sind. veganer aber wollen die welt retten. wer fleisch isst tötet die welt, tötet tiere und am ende sich selbst. man muss solche vorwürfe noch nicht einmal äussern, die blosse anwesenheit eines veganers reicht schon aus.

    Gefällt mir

    1. Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast einen Kommentar zu verfassen und mir auf diese Weise neue Denkanstöße geliefert hast. Der Gedanke, der hinter deinem Text steht, ist einleuchtend und so wie du es beschreibst kann ich die Aggsession der Fleischesser auch nachvollziehen. Allerdings würde ich nicht sagen, dass ein Veganer automatisch moralisch über den Fleischessern steht, sich so sieht oder so gesehen wird. Dabei kommt es auch immer auf die Sicht- und Verhaltensweise der jeweiligen Person an. Ich sehe das zum Beispiel so: Neativer Gegenwind wird nur noch mehr Negativität hervorbringen und nicht dazu führen, dass die andere Person ihre Essgewohnheiten hinterfragt oder sogar ändert (doc genau das wäre der Idealfall). Viel eher möchte ich ein gutes Beispiel liefern, inspirieren und neue Möglichkeite zeigen.

      Gefällt mir

      1. ist der verbraucher vielleicht dümmer als er glaubt? sieht er in fleisch nicht zerstörung und tod? reicht seine moral nicht über das private hinaus? erkennt er nicht die grossen zusammenhänge in der welt, um umweltzerstörung, klimawandel, massentierhaltung und auch gesundheit?

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s